Maler in der Provence – das Land der Farben und des Lichts

Saint-Paul-de-Mausole, Saint-Rémy-de-Provence

Saint-Paul-de-Mausole, Saint-Rémy-de-Provence (Foto: istockphoto.com)

Die Winter in Paris sind kalt und grau, das feuchte Klima schlägt auf das Gemüt und färbt die Seele trüb. So, oder so ähnlich haben Maler aller Generationen das hektische Leben in der französischen Hauptstadt empfunden. Welche Wohltat war es für sie, wenn sie dem grauen Norden entfliehen konnten, um das ruhige Licht und die intensiven Farben im Süden des Landes studieren zu können. Auf diese Weise ist eine sehr enge Wechselwirkung zwischen der Mittelmeerküste und der Capitale im Norden entstanden. Die Maler benötigten den intensiven Austausch mit ihren Kollegen in den Cafés, Galerien und Museen der Großstadt, um sich austauschen und inspirieren zu können. Gleichzeitig konnte keiner von den großen Künstlern des Impressionismus oder Expressionismus auf die sonnigen, flirrenden Farben der Provence verzichten. Hier, in ihren Refugees und Ateliers haben sie die Farben und das Licht getankt, die sie dann mit Hilfe ihrer Bilder in den Norden transportierten.

Jeder Besucher, der die französische Mittelmeerküste erreicht, wird einen ähnlichen Effekt erleben. Blauer Himmel, gelbe Sonnenblumen, blauer Lavendel und das intensive Ocker der Erde reizen zum Photographien und die Farben einzufangen. Dabei ist diese Erfahrung nicht neu. Eine Reise entlang der Küste von Toulouse nach Nizza lässt sich zu einer Entdeckungsreise in die moderne Malerei gestalten.

Pionier der Freilichtmalerei
Einer der ersten Maler, der die Atmosphäre des Südens in seinen Bildern einfing, war der Französische Maler Pierre-Henri de Valenciennes. Er wurde um 1750 in Toulouse im Languedoc geboren und war einer der bedeutendsten Landschaftsmaler seiner Zeit. Er studierte Malerei an der Königlichen Akademie von Toulouse (Académie royale de Toulouse) und unternahm ausgedehnte Reisen durch Südfrankreich. Seine Bilder gelten als Vorläufer der Stimmungsmalerei der Romantik und des Impressionismus. Valenciennes war einer der ersten, der mit seiner Staffel auf das Land zog und die Freilichtmalerei salonfähig machte.

Die Malerei des Südens ist viel älter als man denkt
Im Tal der Ardèche gibt es viele große Höhlen, die seit jeher von Menschen bewohnt gewesen waren. Die Entdeckung ihrer Malerei übte einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Expressionismus aus. Im Jahr 1878 wurde die Chabot-Höhle im Département Ardèche entdeckt. Die eindrucksvollen Wandmalereien entstanden vor etwa 22.000 bis 18.000 v. Chr. Die schwungvolle Formgebung und intensive Färbung der gemalten Tiere wurden begeistert von den Malern studiert und aufgenommen. In schneller Abfolge wurden weitere Höhlen entdeckt. Doch immer noch gibt es sehr viele Höhlen, die bis nicht gefunden sind. Eine der letzten Höhle, die entdeckt wurden ist die Chauvet-Höhle (französisch: Grotte Chauvet), die erst 1994 geöffnet wurde. Sie befindet sich nahe der Kleinstadt Vallon-Pont-d’Arc (Département Ardèche) im Flusstal der Ardèche. Sie enthält über 400 Wandbilder mit mehr als 470 gemalten und gravierten Tier- und Symboldarstellungen. Die ältesten davon werden auf über 30.000 Jahre geschätzt. Die Bilder machen deutlich, dass das Klima und das Licht damals schon die Menschen zum Malen und Experimentieren inspirierten.

Atelier des Südens
Eine der bedeutendsten Städte für die französische Malerei ist die Stadt Arles. Berühmtester Sohn der Stadt ist Vincent Willem van Gogh. Sein Malstil hatte prägenden Einfluss auf die Fauves und Expressionisten. Van Gogh lebte in großer Armut, doch hinterließ er mehr als 864 Gemälde, von denen ein großer Teil in Arles und Umgebung entstanden sind. Er zog 1888 nach Arles, um dem nördlichen Winter zu entgehen und hier die „blauen Töne und heiteren Farben“ des Südens zu finden. Seine Landschaftsbilder entstanden zunächst aus Verlegenheit, weil er sich keine Modelle leisten konnte. Heute sind seine Bilder „Brücke von Langlois” oder die Serie der blühenden Obstgärten aus der Kunstgeschichte nicht mehr wegzudenken. Eine Reise zu van Gogh führt auch nach Saintes-Maries-de-la-Mer und Saint-Rémy-de-Provence, wo er sich ebenfalls zu berühmten Bildern inspirieren ließ. Van Gogh hatte einen Traum. Er wünschte sich ein Atelier des Südens, in dem viele Künstler gemeinsam lebten und arbeiteten. Den einzigen Künstler, den er für dieses Experiment gewinnen konnte war Paul Gauguin, der tatsächlich einige Monate in Arles weilte, um sich hier von den Farben des Südens inspirieren zu lassen.

Im November 1901 kaufte sich Paul Cézanne ein kleines Anwesen außerhalb von Aix-en-Provence, um sich dort ein Atelier einzurichten. Heute liegt das kleine Haus im Stadtgebiet und ist als Atelier Cézanne zu besichtigen. In dem kleinen Haus malte der berühmte Künstler einige seiner Bilder, darunter das Bild „die Badenden”. Das Museum hat ein sehr interessantes Ausstellungskonzept. Mit Hilfe seiner Staffelei, Farbtöpfen, Arbeitskleidung und Gegenstände, die er als Motive für seine Stillleben verwendete wird versucht, die Arbeitsatmosphäre des Künstlers nachzustellen.

Wegen der Gesundheit in den Süden
Auch Amedeo Modigliani ließ sich von den blauen Tönen und heiteren Farben des Südens verzaubern. Der Künstler starb 1920. Er wurde nur 35 Jahre alt, da er sein Leben lang unter einer Lungenkrankheit litt. Er zog 1917 nach Cagnes-sur-Mer, später direkt nach Nizza, um besser arbeiten zu können. Der Einfluss Südfrankreichs, mit den harten Licht-Schatten-Kontrasten ist im Werk Modiglianis exakt nachzuvollziehen. Nach seinem Aufenthalt in Nizza malt er Gemälde mit klar umrissenen Strukturen und bunte, klar abgegrenzte Flächen. Während Modigliani in Nizza wohnte, pflegte er engen Kontakt zu Pierre-Auguste Renoir, der in der Nachbarschaft ein großes Anwesen über der Küste bewohnte. Auch Renoir war wegen des Klimas aus Paris in den warmen, trockenen Süden gewechselt. Das Landgut „Les Collettes“ auf dem Renoir ab1889 lebte, ist heute für Besucher als Museum geöffnet.

Das Picasso-Museum in Antibes

Das Picasso-Museum in Antibes an der Côte d’Azur (Foto: istockphoto.com)

Ein Schloss für den ungekrönten König der Malerei
Ungekrönter König aller südfranzösischen Maler ist Pablo Picasso, der seine späten Jahre in Antibes und Nizza verbrachte. Picasso wiederum hielt Kontakt zu Henri Matisse, der sich ebenfalls hier aufhielt. Ein wichtiges Museum, das sich mit dem Leben von Picasso auseinandersetzt ist das Picasso-Museum in Antibes. Hier können Besucher sowohl Bilder als auch Keramiken und Skulpturen des großen Meisters bewundern. Picasso kaufte sich das Schloss Vauvenargues bei Aix-en-Provence. Hier hatte er einen wunderbaren Blick auf Paul Cézannes Lieblingsmotiv, das Gebirge Montagne Sainte-Victoire. Seinen Lebensabend verbrachte er mit Racheline Roque in Mougins, nördlich über den Hängen von Cannes, wo er am 8. April 1973 starb. Er wurde im Garten seines Schlosses in Vauvenargues begraben.

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