Grotte Chauvet am Pont-d’Arc: Eine ursprüngliche Höhle wird stilecht ’nachgebaut‘

Sie ist nicht für das Publikum geöffnet, die Grotte Chauvet Pont-d’Arc, aber die Arbeiten an einem Ausstellungsprojekt bei Vallon Pont d’Arc schreiten voran (www.lagrottechauvetpontdarc.org). Die ursprüngliche Höhle selbst wird von ihrem Alter her auf die Zeit 36.000 Jahre vor Christus geschätzt und birgt seit ihrer Entdeckung im Jahre 1994 unsagbare Schätze an Höhlenmalereien. Insgesamt fanden die Forscher bislang 425 Tierbilder, die in ihrer Einzigartigkeit bislang geläufiges als ‚bereits entdeckt‘ aussehen lassen. Die Öffnung einer ursprünglich nachgebildeten Höhle in ihrer Nähe wird noch in 2013, spätestens aber 2014 erfolgen. Schon jetzt bemühen sich über 21.000 Kenner um eine Aufnahme der Original-Höhle in das UNESCO Weltkulturerbe.

Höhlenbären, Löwen, Panther, Mammuts und Nashörner sind die Bilder, die im Paläolithikum an die Höhlenwände gezeichnet wurden. Im Gegensatz zu anderen, zeitlich jüngeren Karsthöhlen sind diese Tiere tatsächlich für unsere Vorfahren höchst gefährlich gewesen. In jünger datierten Höhlen finden Besucher deshalb auch mehr jagdbares Wild wie etwa Pferde, Kühe und Steinböcke. Auch geologisch hat sich in der Höhle im Laufe der Jahrtausende einiges getan – für rund 20.000 Jahre war die Höhle durch äußere Ablagerungen von Umwelteinflüssen abgeschirmt. Und so entwickelte sich die Karstgrotte zu einem geologischen Museum mit den vielfältigsten kristallinen Varianten.

Steppenähnlich war damals die Region, als sich der Homo sapiens annäherte… Bislang lebten hier die Neandertaler. Zur damaligen Zeit veränderte sich das Klima extrem. Das nördliche Frankreich, Großbritannien und Skandinavien waren von einem Eispanzer bedeckt. Das Mittelmeer lag ungefähr 120 Meter tiefer als heutzutage. Und dementsprechend waren auch Fauna und Flora den damaligen Verhältnissen angepasst. Mammuts, wollhaarige Rhinozerosse, Höhlenbären, Auerochsen und Panther lebten zu jener Zeit in dieser Gegend. Aber die damaligen Bewohner waren Nomaden und jagten lediglich zu ihrem Lebensunterhalt. Die Höhlen dienten damals dazu, mystische Versammlungen durchzuführen und wurden deshalb mit Zeichnungen der Bedrohungen ‚verziert‘.

Zwei Phasen kennzeichnen die Höhlenbilder

Insgesamt 82 Holzkohle-Zeichnungsblöcke wurden bislang entdeckt. Nach der Messung ‚Karbon14‘ stand die Karsthöhle zweimal in der vergangenen Zeit den mystischen Künstlern offen: von 32.000 bis 30.000 vor Christus und von 27.000 bis 24.500 vor Christus. Die Hauptwerke sind in der ersten Phase entstanden. Die Ausprägungen der Tierbilder und ihre Reichhaltigkeit eröffnen den Forschern viele bislang unbekannte Darstellungsweisen. Die Werke zeigen, dass die Zeichnungen schon eine hohe Form der Illustration beinhalten. So finden sich etwa in der Höhle von Coliboaia in Rumänien und auch in der Grotte von Nerja in Spanien Vorgänger-Zeichnungen, die auf 43.000 vor Christus datiert werden konnten.


Interview mit Werner Herzog (Video-Quelle: ARTE TV)

Die Grotte ist und bleibt nur für Spezialisten geöffnet. Geleitet von Jean Clottes (bis 2006) und jetzt Michel Geneste dient die Karsthöhle einem Team aus mehreren Experten als Forschungsobjekt. In dieser Gruppe sind Fachleute für Höhlenmalerei, fossile Fauna, Rudimentforscher, Geologen, Hydrologen, Paläontologen und Konservierer zusammen gefasst. Auf spezielle Einladungen hin observieren auch Kunstsachverständige, Ethnologen und Erforscher der Prähistorie die Höhle und geben ihre Erfahrungen an die Sachverständigen weiter. Die Erforschung der Grotten wird in zwei Teilen durchgeführt – im Frühjahr dürfen die Forscher für vier Wochen in die Höhle, im Herbst für zwei Wochen. In der Zwischenzeit laufen natürlich Laborarbeiten und Tests weiter. Und auch die Konservierer arbeiten mit einem Dreier-Team unter Leitung von Dominique Baffier und messen etwa die Temperatur- und die Feuchtigkeitsentwicklung, den CO2-Gehalt und den Radon-Anteil.

Die nachgebaute Grotte ‚lebt‘

Aus Gründen der unschätzbaren Werte in dieser Höhle untersagte die französische Regierung bislang den öffentlichen Zugang – aber die interessierten Besucher können Dank der lokalen und internationalen behördlichen Zuständigkeiten in Kürze ein ‚Faksimile‘ der Grotte bei Vallon Pont d’Arc besichtigen. Für die Bauvorhaben verplant sind derzeit 50 Millionen Euro, die von der Region Rhône-Alpes, dem Département de l’Ardèche, dem französischen Staat und Brüssel und Kléber Rossillion stammen. Gemeinsam mit dem Forscherteam entwickelten die Architekten eine Ausstellungsfläche von rund 1.850 Quadratmetern, die den 3.000 Quadratmetern der ursprünglichen Höhle mit ihren Malereien, Gravuren, Tropfsteinen sowie den geologischen und archäologischen Gegebenheiten extrem angeglichen sind.

Film über die Grotte Chauvet von Werner Herzog (Video-Quelle: ARTE TV)

Durch interaktive Modelle und bewegte Bilder entdecken die Besucher auf 1.385 Quadratmetern die Geheimnisse unserer Vorfahren in ihren jeweiligen Originalgrößen; davon stehen 850 Quadratmeter für eine permanente Ausstellung zur Verfügung. Weitere fünf kleinere, geschützte Ausstellungsflächen außerhalb geben Anlass, die Besuchszeit zu verlängern. Das gesamte Gelände passt sich mit seinen Bauvorhaben perfekt an die Region und die örtlichen Gegebenheiten an. So macht die Höhlenerkundung auch für Nicht-Speleologen richtig Spaß…

 

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