Grasse, die Hauptstadt des Parfüms

Die Altstadt von Grasse, Provence, Frankreich

Die Altstadt von Grasse, Provence, Frankreich (© Gérard LEMAIRE – Fotolia.com)

Wenn man von der Provence spricht, dann haben die meisten Menschen gleich Bilder von großen blauen Lavendelfeldern vor Augen. Aber die Provence kann auch ganz anders aussehen. Es gibt dort auch steile Berghänge mit schmalen Straßen, wo weit und breit kein einziges Lavendelfeld zu sehen ist. Diese Region gehört zu den französischen Seealpen und hier liegt die berühmte Stadt Grasse, etwa 20 Kilometer nördlich von Cannes.

Grasse – Stadt der Düfte

Spätestens seit der Verfilmung des Romans „Das Parfüm“ von Patrick Süskind ist die Stadt Grasse einem weiten Publikum bekannt geworden. Schon im 11. Jahrhundert wurde die Stadt zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Das Handwerk der Gerberei war hier sehr verbreitet. Etwa um das Jahr 1600 begann man damit, Handschuhe zu parfümieren. So überdeckte man den Geruch von schlecht gegerbtem Leder. Nun begann die große Zeit von Grasse mit der Destillation von Duftstoffen. Charakteristische Blumenplantagen breiteten sich um die Stadt herum aus.

Grasse, Frankreich

Grasse, Frankreich (© wallaceweeks – Fotolia.com)

Heute sind sie selten geworden, denn die meisten Blüten werden aus Billigländer importiert, wie zum Beispiel aus Marokko, Indien, Bulgarien oder aus der Türkei. Außerdem werden zunehmend synthetische Duftstoffe in der Parfümherstellung verwendet. Noch heute gibt es in Grasse etwa 30 Parfümfabriken, die ihre Produkte in die ganze Welt exportieren. Einige von ihnen kann man besichtigen und auf einer Führung viel über die Herstellung von Parfüm erfahren. Der Parfümfabrik Fragonard ist sogar ein Museum angeschlossen. Hier ist eine private Sammlung von Destillierkolben, Flacons und anderen Dingen zu sehen, die die Geschichte des Parfüms von der Antike bis in die heutige Zeit dokumentieren. Ein besonderes Erlebnis ist auch die Teilnahme an einem Parfüm-Workshop. Hier kann man seinen eigenen Duft kreieren und anschließend mit nach Hause nehmen. So bekommt man auch einen kleinen Einblick in die Arbeit eines Parfümeurs, der bis zu 3000 Düfte erkennen kann. Die „Nase“, so wird ein Parfümeur auch genannt, hat dafür aber auch einige Opfer zu bringen: Verzicht auf Alkohol, Rauchen und scharfe Gewürze. Denn diese können den Geruchssinn erheblich beeinträchtigen. Auf der ganzen Welt gibt es nur etwa 1000 solcher „Nasen“.

Parfümherstellung gestern und heute

Destille zur Parfümherstellung

Destille zur Parfümherstellung (© Stefan Baum – Fotolia.com)

Die Destillation ätherischer Öle durch Wasserdampf ist eine der wichtigsten Techniken in der traditionellen Parfümherstellung. Bei der Enfleurage wird dagegen warmes Fett oder Öl eingesetzt, um die Duftstoffe aus den Pflanzenteilen zu ziehen. Für empfindliche Blüten, wie zum Beispiel Jasmin, wurde die Technik weiterentwickelt, so dass man mit kaltem Öl arbeiten konnte. Wärme hätte die empfindlichen Blüten zerstört. Diese Öle waren zur Weiterverarbeitung in Salben geeignet. Durch Waschungen des filtrierten Öls mit Alkohol konnte ein alkoholischer Duftstoff gewonnen werden, der für die Herstellung von Parfüm geeignet war.

Etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die industrielle Parfümproduktion. Die Entwicklung synthetischer Duftstoffe machte dies möglich. Das erste Parfüm auf dem Markt, das diese neuen Stoffe enthielt, war das berühmte Chanel N°5. Es wurde übrigens 1925 in Grasse kreiert. Synthetische Rohstoffe für die Produktion eines hochwertigen Parfüms sind nicht unbedingt günstiger als natürliche Rohstoffe. Aber sie bieten eine konstante Qualität und werden auch aus ökologischen Gründen verwendet.

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